Steckbriefe der Zielarten - Mittelspecht (Dendrocopos medius) PDF Drucken E-Mail
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Mittelspecht (Dendrocopos medius)

 

Der Urwaldspecht

Manche mögen's rau. Der Mittelspecht zum Beispiel: Bäume mit rauer Borke sind ihm am liebsten. Und eine solche haben nun einmal vor allem Eichen. So ist der Mittelspecht geradezu als Leitart sowie als Charaktervogel für alte Eichenwälder anzusehen. Denn es gibt nur wenige Vogelarten, die eine so enge Bindung an eine Baumart entwickelt haben wie der Mittelspecht. Und die auf einen alten Baumbestand jenseits der Hundert- Jahre-Grenze angewiesen sind – daher auch die scherzhafte Bezeichnung „Urwaldspecht". Allerdings akzeptiert er neben seinen geliebten, mit Eichen durchsetzten Laub- und Laubmischwäldern auch Auwälder, ja gelegentlich sogar große, ruhige Parkanlagen und – vor allem im Neckarraum – auch Streuobstwiesen. Hauptsache, es gibt genügend alte Bäume mit rauer Borke. Dabei gilt: Je höher die Dichte an alten Eichen ist, je mehr ihm also der Lebensraum zusagt, desto kleiner kann das Revier sein. Die raue, rissige Rinde ist die Grundlage seiner Lieblingsnahrung: Hier kann er nach Herzenslust im oberen Stammbereich und an dürren Ästen bevorzugt in der Krone nach Spinnen, Weberknechten, Raupen und anderen wärmeliebenden Insekten und ihren Larven suchen. Für den Höhlenbau sind die alten Bäume ebenfalls prima geeignet. Faules Stammholz sucht er sich dabei bevorzugt aus, ein toter Seitenast einer ansonsten gesunden alten Eiche ist für die Zimmermannsarbeit nahezu ideal. Die Attribute „Leitart für Eichenwälder" und „Urwaldspecht" sind zugleich die Handlungsanweisung für seinen Schutz: den Erhalt und Entwicklung alter Eichenwälder mit einem ausreichend hohen Anteil an Totholz, z.B. durch eine am Erhalt alter Bäume orientierte schonwaldartige Bewirtschaftung.

 

Merkmale und Kennzeichen

Vom Trommeln hält der Mittelspecht nicht allzuviel. Viel lieber lockt der Revierboss die Weibchen mit seinem typischen Quäken an: ein vier- bis achtmaliges quäk quäk quäk quäk. Ansonsten fällt der knapp buntspechtgroße Vogel durch seinen roten Scheitel auf, wobei das Rot am Kopf bei den Weibchen etwas kleiner und matter ist als bei den Männchen. Wichtig ist auch, dass der schwarze Bartstreif nicht wie beim Buntspecht bis zum Schnabel reicht.

 

Lebensraum und Verhalten

Alte, ausgedehnte Eichen-Hainbuchenwälder sind sein bevorzugter Lebensraum, aber auch in Erlen- und Auwäldern sowie in Streuobstgebieten ist er anzutreffen. Seine Bruthöhlen baut er am liebsten in alten Eichen, hier stochert er in der groben Borke nach Insekten aller Art. Was allerdings nicht heißen soll, dass er Vegetarisches völlig verschmäht: Gelegentlich erntet er etwa Kirschen und Pflaumen und im Herbst Eicheln, Nüsse und Bucheckern.

 

Vorkommen und Verbreitungmittelspecht

Deutschland beherbergt das weltweit größte Vorkommen an Mittelspechten. Dabei reicht die Spannweite der geschätzten Populationsgröße von 16000 bis 21000 Brutpaaren. Davon leben immerhin 2000 bis 2500 Paare in Baden- Württemberg. Gute Mittelspecht-Gebiete sind die beiden Verbreitungsschwerpunkte am Oberrhein und im weiteren Neckarraum. Hierzu zählen auch Schönbuch, Stromberg, sowie Glems- und Schurwald. Weniger zahlreich ist der Mittelspecht im Einzugsgebiet von Tauber, Jagst und Kocher, sowie im Kraichgau und im Odenwald zu finden.

 

Schutzmaßnahmen

Die Bestände des für Eichenwälder typischen Mittelspechts entwikkeln sich leider seit Jahrzehnten negativ. Diese traurige Entwicklung basiert fast ausschließlich auf dem Verlust an Lebensräumen: Alte Eichenwälder sind abgeholzt worden, ohne dass für ausreichenden Ersatz gesorgt worden wäre. Im Gegenteil: Eichenwälder wurden bevorzugt durch schnell wachsende Nadelhölzer oder Buchenmischwälder ersetzt. Baldige Besserung ist nicht in Sicht, da beinahe überall im Land große Eichenbestände im Alter zwischen 20 und 80 Jahren fehlen. Zudem hat kaum noch eine Eiche die Chance, so richtig alt zu werden. Somit kann man die für die derzeitigen Verhältnisse noch relativ große Mittelspecht-Population nur durch den Schutz ihrer Lebensräume erhalten. Konkret bedeutet dies, alte Stieleichen nicht umzusägen, sondern stehen zu lassen.

 

Quelle: LUBW, Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie, 1. Auflage, 2006, Artkapitel - Teil 1, S. 30-31
Bildautor: H. Dannenmeyer/Archiv LUBW

 



Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 06. Juni 2013 um 15:22 Uhr