Steckbriefe der Zielarten - Neuntöter (Lanius collurio) PDF Drucken E-Mail
Beitragsseiten
Steckbriefe der Zielarten
Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)
Neuntöter (Lanius collurio)
Rotkopfwürger (Lanius senator)
Wendehals (Jynx torquilla)
Grauspecht (Picus canus)
Mittelspecht (Dendrocopos medius)
Grünspecht (Picus viridis)
Steinkauz (Athene noctua)
Gartenrotschwanz ((Phoenicurus phoenicurus)
Baumpieper (Anthus trivialis)
Alle Seiten

 

Neuntöter (Lanius collurio)

 

Vorrat im Dornebuschneuntoeter 2

Man soll's nicht glauben, aber manche betten sich doch tatsächlich gerne auf Dornen: der Neuntöter zum Beispiel. Egal ob Heckenrosen, hoch gewachsene Brombeerranken, Weiß- oder Schwarzdorn – er baut sein Nest mit Vorliebe in ein bis zwei Metern Höhe in Dornbüschen und Dornhecken. Daher kann man den Neuntöter geradezu als Leitart für den Lebensraum Hecke ansehen. Die Dornen benötigt er übrigens auch noch anderweitig: Daran spießt er seine Beute auf – Insekten aller Art, manchmal auch junge Mäuse oder Vögel. Warum er das tut, dürfte eine ganze Reihe von Gründen haben. Zum einen lässt sich so eine dicke Heuschrecke oder ein unhandlicher Schmetterling besser zerlegen. Zum anderen kann man Vorräte für schlechtere Zeiten anlegen. Und schließlich zeigt ein reicher Beutevorrat prima an, was für ein potenter Jäger der Revierinhaber doch ist – ein sowohl für Weibchen als auch für männliche Konkurrenten eindeutiges Signal. Die Vorliebe, seine Beute an Dornen und zur Not auch an einem Stacheldrahtzaun aufzuspießen, dürfte dem Neuntöter seinen etwas martialisch klingenden Namen eingetragen haben. Jedenfalls lautet eine der Namensdeutungen, dass man früher geglaubt hat, er beginne mit der Mahlzeit erst nach neun aufgespießten Beutetieren. Was übrigens dazu beigetragen haben mag, dass ihm eine gewisse Mordlust nachgesagt worden sein soll. Das ist allerdings schon lange her. Da sein Lieblingshabitat, die dornigen Hecken, in unserer zunehmend intensivierten und auf die Bewirtschaftung mit Maschinen getrimmten Landwirtschaft immer seltener geworden sind, ging es dem Neuntöter gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts zunehmend schlechter. Doch die intensiven Bemühungen um den Erhalt seiner Lebensräume und vor allem auch die Neuanlage von Hecken haben Früchte getragen: Die Bestände haben sich vielerorts stabilisiert.

 

Merkmale und Kennzeichen

Richtig schmuck sieht er aus, so ein Neuntöter-Mann, mit seinem aschgrauen Scheitel, dem breiten schwarzen Streifen vom Schnabelgrund bis hinter die Augen, dem rostbraunen Rücken, dem schwarzen Schwanz mit den seitlichen weißen Feldern sowie dem zartrosa Bauch. Wegen seiner Rückfarben heißt er auch Rotrückenwürger. Wer so hübsch aussieht, der präsentiert sich auch gern. Und so sitzt das Männchen, das mit seinen 17 Zentimetern etwas größer als ein Spatz ist, häufig erhöht auf einer Ansitzwarte, bevorzugt auf einem Dornbusch und kontrolliert die Umgebung. Das Weibchen dagegen ist weniger auffällig: braun bis braungrau am Kopf und Rücken, die Augenmaske kleiner und braun, der Bauch gelblich-weiß und quer gebändert. Bemerkenswert ist auch der durchaus melodiöse Gesang des Neuntöters, was in der Würgerfamilie eine Seltenheit ist.

 

Lebensraum und Verhaltenneuntoeter 1

Der Neuntöter bevorzugt reich strukturierte, offene bis halboffene Landschaften: mit Hecken umsäumte Viehweiden, Mähund Magerwiesen, schwach verbuschte Trockenrasen und Wacholderheiden, aber auch Streuobstwiesen, gebüschreiche Waldsäume und noch einigermaßen junge Kahlschläge. Dabei liebt er es warm und trocken. Dornige Hecken, Gehölz und Sträucher sind als Nistorte sowie Ansitzund Jagdwarten ganz wichtig. Zudem wird auf den Dornen gerne die Beute aufgespießt: vor allem Insekten aller Art, aber auch Amphibien, Kleinsäuger und gelegentlich auch Jungvögel. Inzwischen profitiert der Neuntöter von zahlreichen Biotopverbundmaßnahmen. Vor allem strukturarme Gebiete sind durch Heckenpflanzungen und Entwicklung von Säumen und Rainen wieder zu geeigneten Neuntöter-Lebensräumen geworden. Vorkommen und Verbreitung Noch brütet der Neuntöter in fast allen baden-württembergischen Landesteilen. Nur in den großen zusammenhängenden Waldgebieten kommt er naturgemäß kaum vor. Allerdings wurde er vor allem in den tiefer gelegenen Regionen vielfach durch eine intensive Landnutzung auf wenige „Inseln" zurückgedrängt.

 

Schutzmaßnahmen

Reich strukturierte Landschaften mit einem guten Nahrungsangebot und am besten noch dornige Hecken, das ist es, was der Neuntöter braucht. Doch solche Lebensräume sind in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden. Wobei zusätzlich das Nahrungsangebot durch den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln kräftig reduziert wird. So wundert es nicht, dass der Neuntöter insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren deutlich abgenommen hat – in ausgedehnten Akkerlandschaften ist er heutzutage kaum noch anzutreffen. Helfen kann man diesem spezialisierten Jäger vor allem durch den Erhalt von extensiv genutztem Grünland, Streuobstgebieten, Brachen und Trockenstandorte

 

Quelle: LUBW, Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie , 1. Auflage, 2006, Artkapitel - Teil 1, S. 34-35
Bildautor: D. Nill/Archiv LUBW

 



Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 06. Juni 2013 um 15:22 Uhr