Steckbriefe der Zielarten PDF Drucken E-Mail
Beitragsseiten
Steckbriefe der Zielarten
Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)
Neuntöter (Lanius collurio)
Rotkopfwürger (Lanius senator)
Wendehals (Jynx torquilla)
Grauspecht (Picus canus)
Mittelspecht (Dendrocopos medius)
Grünspecht (Picus viridis)
Steinkauz (Athene noctua)
Gartenrotschwanz ((Phoenicurus phoenicurus)
Baumpieper (Anthus trivialis)
Alle Seiten

 

 

Hier finden Sie Steckbriefe der Zielarten des LIFE+-Projektes.

Die Texte und Bilder sind Auszüge der Leitbildbroschüre "Was brauchen Halsbandschnäpper, Wendehals, Steinkauz und Co.?" sowie der LUBW-Broschüre "Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie, 1. Auflage, 2006". Die gesamte Broschüre können Sie auf der LUBW-Website herunterladen.


 

Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)

 

Gefiedertes Schachbretthalsbandschnaepper 1

Was haben ein schwäbischer Mosttrinker und ein Halsbandschnäpper gemeinsam? Beide lieben Streuobstwiesen. Und sie bevorzugen als Wahlheimat Baden-Württemberg. Mehr als die Hälfte der bundesdeutschen Halsbandschnäpper-Paare sind hier zu Hause. Dabei sagen ihnen die alten Obstbaumanlagen besonders zu, aber auch die lichten Laubwälder mit altem Baumbestand. Dort findet das knapp sperlingsgroße Vöglein nämlich am ehesten die Bruthöhlen, die es für die Aufzucht der Jungen braucht. Dabei ist er auch nicht besonders wählerisch und zieht schon mal in künstliche Behausungen ein. Die natürlichen Höhlen sind nämlich mittlerweile zu einer echten Mangelware geworden. Zudem haben Halsbandschnäpper beim Kampf um die begehrten Nisthöhlen einen gewaltigen Nachteil: Sie kommen meist erst Ende April/Anfang Mai und damit sehr spät aus ihren Winterquartieren jenseits der Sahara zurück – und dann sind die meisten Wohnungen schon besetzt. Und weil sie sich schon ab Ende Juli wieder auf den Rückflug machen, bleibt für die Aufzucht der Jungen nicht viel Zeit. Während der Halsbandschnäpper bundesweit vom Aussterben bedroht ist, geht es ihm in Baden-Württemberg ein bisschen besser – er gilt aber immer noch als gefährdet. Verwunderlich ist das nicht, schließlich sind auch im Stammland der Mosttrinker die Flächen mit Streuobstwiesen in den vergangenen Jahrzehnten stetig zurückgegangen. Und so ist der beste Halsbandschnäpper-Schutz das Trinken von Most – und natürlich auch von naturreinem Apfelsaft aus heimischen Streuobstwiesen. Gegen den Lebensraumverlust bei uns helfen zudem in gewissem Maße künstliche Nistkästen, die dem Halsbandschnäpper zusätzlichen Wohnraum bieten.

 

Merkmale und Kennzeichen

Sieb – der durchdringend hohe, kräftige Ruf ist typisch für den Halsbandschnäpper. Und die Erscheinungsweise des Männchens ist es auch: Es ist hübsch schwarz-weiß gezeichnet mit dem namensgebenden weißen Halsband. Die Weibchen dagegen sind ziemlich braun und gleichen dabei sehr dem Trauerschnäpper. Der wichtigste Unterschied ist der größere weiße Fleck an der Basis der Handschwingen. Typisch für beide Arten ist auch die Jagd von Ansitzwarten aus. Die Chancen, einen dieser seltenen Vögel zu beobachten, sind an einem sonnigen Tag im Mai und Juni am besten.

 

Lebensraum und Verhaltenhalsbandschnaepper 2

Streuobstwiesen sowie lichte Laubund Mischwälder sind der bevorzugte Lebensraum des Halsbandschnäppers. Gelegentlich kann man ihn aber auch in Parks, Friedhöfen und sogar Gärten beobachten. Es sind die alten Bäume mit ihrem Potenzial an Bruthöhlen, die den knapp sperlingsgroßen Vogel besonders anziehen. Außerdem ist hier ein vielseitiges Nahrungsangebot an Insekten aller Art garantiert – und in der Brutzeit finden sich reichlich nahrhafte Schmetterlingsraupen und andere Insektenlarven, die eine rasche Aufzucht der Jungen erlauben. Die ist erforderlich, denn als Zugvogel, der im tropischen Afrika überwintert, kommt er sehr spät nach Deutschland und brütet meist erst ab Mai.

 

Vorkommen und Verbreitung

Die Brutgebiete in Baden-Württemberg sind für den Halsbandschnäpper von besonderer Bedeutung: 2500 bis 3500 und damit mehr als die Hälfte der bundesweit geschätzten 4500 bis 5000 Paare leben im Land, womit sich eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser Art verbindet. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen im Bereich des Vorlandes der mittleren schwäbischen Alb, dem Stromberg sowie Remstal und Wieslauftal.

 

Schutzmaßnahmen

Um der besonderen Verantwortung zum Schutz dieser Art nachzukommen, bemüht sich Baden-Württemberg intensiv um die Erhaltung und den Fortbestand typischer Streuobstwiesen. Darüber hinaus fördert das Land die naturnahe Waldwirtschaft mit einem hohen Laubholzanteil. Auch wenn sich Neubausiedlungen und Gartenhausgebiete in Streuobstwiesen ausbreiten, wird dem Halsbandschnäpper mit vielen Maßnahmen geholfen: Förderung von regionalen Apfelsaftprojekten, Zuschüsse für die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen oder Erhaltungspflege und Neuanlage. Die Gefahren beim Vogelzug in den Süden und in den Überwinterungsgebieten müssen an anderer Stelle gemindert werden. Der beste Schutz ist jedoch, die Streuobstwiesen im Land Baden-Württemberg zu erhalten.

 

Quelle: LUBW, Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie, 1. Auflage, 2006, Artkapitel - Teil 1, S. 24-25
Bildautor: D. Nill/Archiv LUBW

 


 

Neuntöter (Lanius collurio)

 

Vorrat im Dornebuschneuntoeter 2

Man soll's nicht glauben, aber manche betten sich doch tatsächlich gerne auf Dornen: der Neuntöter zum Beispiel. Egal ob Heckenrosen, hoch gewachsene Brombeerranken, Weiß- oder Schwarzdorn – er baut sein Nest mit Vorliebe in ein bis zwei Metern Höhe in Dornbüschen und Dornhecken. Daher kann man den Neuntöter geradezu als Leitart für den Lebensraum Hecke ansehen. Die Dornen benötigt er übrigens auch noch anderweitig: Daran spießt er seine Beute auf – Insekten aller Art, manchmal auch junge Mäuse oder Vögel. Warum er das tut, dürfte eine ganze Reihe von Gründen haben. Zum einen lässt sich so eine dicke Heuschrecke oder ein unhandlicher Schmetterling besser zerlegen. Zum anderen kann man Vorräte für schlechtere Zeiten anlegen. Und schließlich zeigt ein reicher Beutevorrat prima an, was für ein potenter Jäger der Revierinhaber doch ist – ein sowohl für Weibchen als auch für männliche Konkurrenten eindeutiges Signal. Die Vorliebe, seine Beute an Dornen und zur Not auch an einem Stacheldrahtzaun aufzuspießen, dürfte dem Neuntöter seinen etwas martialisch klingenden Namen eingetragen haben. Jedenfalls lautet eine der Namensdeutungen, dass man früher geglaubt hat, er beginne mit der Mahlzeit erst nach neun aufgespießten Beutetieren. Was übrigens dazu beigetragen haben mag, dass ihm eine gewisse Mordlust nachgesagt worden sein soll. Das ist allerdings schon lange her. Da sein Lieblingshabitat, die dornigen Hecken, in unserer zunehmend intensivierten und auf die Bewirtschaftung mit Maschinen getrimmten Landwirtschaft immer seltener geworden sind, ging es dem Neuntöter gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts zunehmend schlechter. Doch die intensiven Bemühungen um den Erhalt seiner Lebensräume und vor allem auch die Neuanlage von Hecken haben Früchte getragen: Die Bestände haben sich vielerorts stabilisiert.

 

Merkmale und Kennzeichen

Richtig schmuck sieht er aus, so ein Neuntöter-Mann, mit seinem aschgrauen Scheitel, dem breiten schwarzen Streifen vom Schnabelgrund bis hinter die Augen, dem rostbraunen Rücken, dem schwarzen Schwanz mit den seitlichen weißen Feldern sowie dem zartrosa Bauch. Wegen seiner Rückfarben heißt er auch Rotrückenwürger. Wer so hübsch aussieht, der präsentiert sich auch gern. Und so sitzt das Männchen, das mit seinen 17 Zentimetern etwas größer als ein Spatz ist, häufig erhöht auf einer Ansitzwarte, bevorzugt auf einem Dornbusch und kontrolliert die Umgebung. Das Weibchen dagegen ist weniger auffällig: braun bis braungrau am Kopf und Rücken, die Augenmaske kleiner und braun, der Bauch gelblich-weiß und quer gebändert. Bemerkenswert ist auch der durchaus melodiöse Gesang des Neuntöters, was in der Würgerfamilie eine Seltenheit ist.

 

Lebensraum und Verhaltenneuntoeter 1

Der Neuntöter bevorzugt reich strukturierte, offene bis halboffene Landschaften: mit Hecken umsäumte Viehweiden, Mähund Magerwiesen, schwach verbuschte Trockenrasen und Wacholderheiden, aber auch Streuobstwiesen, gebüschreiche Waldsäume und noch einigermaßen junge Kahlschläge. Dabei liebt er es warm und trocken. Dornige Hecken, Gehölz und Sträucher sind als Nistorte sowie Ansitzund Jagdwarten ganz wichtig. Zudem wird auf den Dornen gerne die Beute aufgespießt: vor allem Insekten aller Art, aber auch Amphibien, Kleinsäuger und gelegentlich auch Jungvögel. Inzwischen profitiert der Neuntöter von zahlreichen Biotopverbundmaßnahmen. Vor allem strukturarme Gebiete sind durch Heckenpflanzungen und Entwicklung von Säumen und Rainen wieder zu geeigneten Neuntöter-Lebensräumen geworden. Vorkommen und Verbreitung Noch brütet der Neuntöter in fast allen baden-württembergischen Landesteilen. Nur in den großen zusammenhängenden Waldgebieten kommt er naturgemäß kaum vor. Allerdings wurde er vor allem in den tiefer gelegenen Regionen vielfach durch eine intensive Landnutzung auf wenige „Inseln" zurückgedrängt.

 

Schutzmaßnahmen

Reich strukturierte Landschaften mit einem guten Nahrungsangebot und am besten noch dornige Hecken, das ist es, was der Neuntöter braucht. Doch solche Lebensräume sind in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden. Wobei zusätzlich das Nahrungsangebot durch den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln kräftig reduziert wird. So wundert es nicht, dass der Neuntöter insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren deutlich abgenommen hat – in ausgedehnten Akkerlandschaften ist er heutzutage kaum noch anzutreffen. Helfen kann man diesem spezialisierten Jäger vor allem durch den Erhalt von extensiv genutztem Grünland, Streuobstgebieten, Brachen und Trockenstandorte

 

Quelle: LUBW, Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie , 1. Auflage, 2006, Artkapitel - Teil 1, S. 34-35
Bildautor: D. Nill/Archiv LUBW

 


 

Rotkopfwürger (Lanius senator)

 

Merkmale und Kennzeichen

Leuchtend rostrotbraun der Kopf und der Nacken, groß und weiß die Schulterabzeichen, schwarz die Augenmaske, kräftig und leicht gebogen der Schnabel, auf einem Ansitz nach Beute Ausschau haltend und dabei mit 17 bis 19 Zentimeter etwas größer als ein fetter Sperling – das kann nur ein Rotkopfwürger sein. Die Weibchen sehen prinzipiell ähnlich aus, sind aber nicht ganz so prächtig gefärbt.

 

Lebensraum und Verhalten

Die ursprünglichen Lebensräume des Rotkopfwürgers könnten hier zu Lande die Randbereiche von Auwäldern gewesen sein. Doch die sind heute meist intensiv landwirtschaftlich genutzt. So lebt der Rotkopfwürger inzwischen meist in alten, extensiv genutzten Streuobstwiesen. Diese können durchaus am Rande von Ortschaften liegen. Intensiv genutzte lässt er dagegen links liegen. In den großen Flussauen, etwa am Oberrhein und an der Donau, besiedelt der Rotkopfwürger auch Pappelalleen. Gefressen werden vorwiegend Insekten, wobei dicke Brummer die bevorzugte Jagdbeute sind: Käfer, aber auch Hummeln, die vor dem Verzehr entstachelt werden. Zudem erbeutet er regelmäßig Mäuse und Schnecken.

 

Vorkommen und Verbreitungrotkopfwuerger

Rotkopfwürger mögen es warm. Deutschland liegt an der nördlichen Grenze des Verbreitungsgebiets, weshalb Bestandsschwankungen aufgrund klimatischer Veränderungen natürlich sind. Gleichwohl hat er um 1950 herum noch mit mindestens 500 Paaren hier zu Lande gebrütet und sich bis nach Nord- und Ostdeutschland ausgedehnt. In Baden-Württemberg brüteten rund die Hälfte aller Paare in zwei Verbreitungsschwerpunkten: der südlichen Oberrheinebene und dem Vorland der mittleren Schwäbischen Alb. Seit den 1970er Jahren sind sowohl die Brutbestände als auch das Verbreitungsareal stark zurückgegangen. Bundesweit ist er heute zumeist nur noch in Südwestdeutschland anzutreffen – hier kommt er zwar mehr oder weniger regelmäßig, aber insgesamt doch sehr selten vor. Gerade mal fünf Paare brüten noch in der Oberrheinebene.

 

Schutzmaßnahmen

In fast allen Ländern Europas gehen heute die Brutbestände des Rotkopfwürgers zurück. Im Norden des Brutareals, also in Deutschland, ist der Bestandsrückgang besonders auffällig. Baden-Württemberg als eines der letzten Brutgebiete in Deutschland kommt damit besondere Verantwortung für den Erhalt des Rotkopfwürgers zu. Dazu aber müssen seine wichtigsten Lebensräume erhalten werden: die alten, strukturreichen, ausgedehnten Streuobstbestände. Aber gerade diese Gebiete sind enorm bedroht. Immerhin gibt es mittlerweile eine Reihe von Initiativen, etwa durch die regionale Vermarktung von Apfelsaft und Most aus Streuobstwiesen, diese hochgradig Gefährdeten Biotope zu erhalten. Von deren Schutz profitieren dann wiederum auch andere Arten.

 

Quelle: LUBW, Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie, 1. Auflage, 2006, Artkapitel - Teil 2, S. 97
Bildautor: D. Nill/Archiv LUBW

 

 


 

 

Wendehals (Jynx torquilla)

 

Merkmale und Kennzeichenwendehals

Nein, mit politischen Wendehälsen hat dieser Specht eigentlich nichts zu tun. Seinen Namen trägt er wegen seiner verblüffenden Fähigkeit, den Hals lokker um 180 Grad drehen zu können. Die Zugehörigkeit des Wendehalses zu den Spechten verwundert zunächst ein wenig, fehlen ihm doch eine ganze Reihe spechttypischer Attribute. So hat er keinen Stützschwanz und keinen kräftigen Meißelschnabel. Sein Gefieder ist – im Gegensatz zu der oft recht auffälligen Tracht seiner nächsten Verwandten – zur Tarnung rindenartig braun gemustert. Zudem ist er ziemlich klein und schlank – mit 16 bis 18 Zentimeter ist er nur wenig größer als ein Spatz.

 

Lebensraum und Verhalten

Wendehälse mögen klimatisch begünstigte lichte Wälder, Streuobstwiesen und Weinbaugebiete, ja sogar Alleen, Parks, Friedhöfe und Gärten besiedeln sie, wenn das Umfeld stimmt. Auf den Eigenbau der Bruthöhlen verzichtet der Wendehals gerne. Daher ist er auf die Zimmermannstätigkeit anderer Spechte, auf natürliche Baumhöhlen oder auf künstliche Nistkästen angewiesen. Wichtig ist, dass im Brutgebiet Ameisen vorkommen, denn die stehen einschließlich ihrer Puppen ganz oben auf dem Speisezettel. Nur wenn es an denselben mangelt oder Junge aufzuziehen sind, werden auch Blattläuse sowie andere kleinere Insekten aufgepickt, ja manchmal sogar Beeren.

 

Vorkommen und Verbreitung

Bereits im 19. Jahrhundert haben die Bestandseinbußen beim Wendehals begonnen und sich ab den 1950er Jahren deutlich fortgesetzt. Heute brüten in Baden- Württemberg nur mehr 4000 bis 6000 Paare, bei weiterhin stark abnehmender Tendenz. Dabei kommt er vor allem in den Gebieten mit Streuobstanbau vor, so etwa im Oberrheintal, im Albvorland, in der Neckarregion und im Bodenseeraum. Er fehlt in den großen geschlossenen Waldgebieten.

 

Schutzmaßnahmen

Der Verlust an Lebensräumen und hier vor allem an Streuobstwiesen macht dem Wendehals schwer zu schaffen. Hinzu kommen die schwindenden Nahrungsressourcen: seine Leibspeise sind die kleineren Ameisenarten. Und die haben in einer stark gedüngten und ausgeräumten Agrarlandschaft zunehmend schlechtere Lebensbedingungen. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen liegen auf der Hand: Streuobstbestände erhalten und vor allem traditionell bewirtschaften. Für das Grünland bedeutet das eher wenige und späte Mahdtermine, die Erhaltung von Höhlenbäumen, Säumen und Brachen.

 

Quelle: LUBW, Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie, 1. Auflage, 2006, Artkapitel - Teil 2, S. 107
Bildautor: D. Nill/Archiv LUBW

 

 


 

 

Grauspecht (Picus canus)

 

Merkmale und Kennzeichen

Die rote Stirn ist das Kennzeichen des Grauspechts, allerdings nur das des Männchens. Das Weibchen dagegen ist nirgendwo rot, sondern – wie das Männchen auch – auf der Rückseite olivgrün und ansonsten ziemlich grau. Der Grauspecht ist mit etwa 28 Zentimetern deutlich größer als der Buntspecht, andererseits aber etwas kleiner als der Grünspecht. Diesem sieht er bis auf den kleineren roten Kopffleck ansonsten ziemlich ähnlich. Sein laut pfeifender und in der Tonhöhe abfallender Ruf ist – wenn auch eher selten zu hören – unverwechselbar und erfolgt von einem exponierten Rufplatz aus.

 

Lebensraum und Verhaltengrauspecht

Lichte Laub- und Mischwälder sind der bevorzugte Brutraum des Grauspechts. Auch Auen- und Bruchwälder mag er sowie Streuobstwiesen, weil dort oft alte Bäume stehen, die sich gut zum Höhlenbau eignen. Gelegentlich trifft man den Grauspecht daher sogar in Parks und Friedhöfen mit altem Baumbestand. Die häufig in das kranke Holz der alten Bäume gezimmerte Bruthöhle ist mit Holzspänen gepolstert. Die Jungen sind vor allem auf nahrhafte Ameisen und Ameiseneier als Futter angewiesen. Auch Altvögel fressen mit Vorliebe Ameisen, sind aber nicht so, sehr auf diese Nahrungsquelle fixiert wie Grünspechte: Wenn sie einmal keine finden, tun es auch andere Insekten sowie Samen, Beeren und Obst.

 

Vorkommen und Verbreitung

Verbreitet, aber keineswegs überall und zudem ziemlich selten – so lässt sich das Grauspecht-Vorkommen in Baden- Württemberg charakterisieren. Insbesondere die höheren Lagen und die reinen Nadelwaldbestände – etwa im Schwarzwald – sagen ihm überhaupt nicht zu. Am ehesten findet man die 4000-6000 Paare noch in den großen Flussniederungen, also im mittleren Neckarraum, in der Oberrheinebene sowie an der Donau, aber auch in Oberschwaben.

 

Schutzmaßnahmen

Dem Grauspecht geht es wie vielen anderen bedrohten Vogelarten auch: Sein Lebensraum ist in den vergangenen Jahren immer enger geworden. So verwundert es nicht, dass der Grauspechtbestand seit den 1970er Jahren kontinuierlich zurückgeht. Vielerorts bemüht man sich nun, alte Streuobstwiesen zu erhalten, beispielsweise mit Hilfe regionaler Vermarktungskonzepte für Apfelsaft. Ansonsten gilt es, die noch vorhandenen alten Wälder mit ihren vielfältigen Strukturen und ihrem üppigen Totholzanteil zu erhalten.

 

Quelle: LUBW, Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie, 1. Auflage, 2006, Artkapitel - Teil 1, S. 23
Bildautor: H. Dannenmeyer/Archiv LUBW

 

 


 

Mittelspecht (Dendrocopos medius)

 

Der Urwaldspecht

Manche mögen's rau. Der Mittelspecht zum Beispiel: Bäume mit rauer Borke sind ihm am liebsten. Und eine solche haben nun einmal vor allem Eichen. So ist der Mittelspecht geradezu als Leitart sowie als Charaktervogel für alte Eichenwälder anzusehen. Denn es gibt nur wenige Vogelarten, die eine so enge Bindung an eine Baumart entwickelt haben wie der Mittelspecht. Und die auf einen alten Baumbestand jenseits der Hundert- Jahre-Grenze angewiesen sind – daher auch die scherzhafte Bezeichnung „Urwaldspecht". Allerdings akzeptiert er neben seinen geliebten, mit Eichen durchsetzten Laub- und Laubmischwäldern auch Auwälder, ja gelegentlich sogar große, ruhige Parkanlagen und – vor allem im Neckarraum – auch Streuobstwiesen. Hauptsache, es gibt genügend alte Bäume mit rauer Borke. Dabei gilt: Je höher die Dichte an alten Eichen ist, je mehr ihm also der Lebensraum zusagt, desto kleiner kann das Revier sein. Die raue, rissige Rinde ist die Grundlage seiner Lieblingsnahrung: Hier kann er nach Herzenslust im oberen Stammbereich und an dürren Ästen bevorzugt in der Krone nach Spinnen, Weberknechten, Raupen und anderen wärmeliebenden Insekten und ihren Larven suchen. Für den Höhlenbau sind die alten Bäume ebenfalls prima geeignet. Faules Stammholz sucht er sich dabei bevorzugt aus, ein toter Seitenast einer ansonsten gesunden alten Eiche ist für die Zimmermannsarbeit nahezu ideal. Die Attribute „Leitart für Eichenwälder" und „Urwaldspecht" sind zugleich die Handlungsanweisung für seinen Schutz: den Erhalt und Entwicklung alter Eichenwälder mit einem ausreichend hohen Anteil an Totholz, z.B. durch eine am Erhalt alter Bäume orientierte schonwaldartige Bewirtschaftung.

 

Merkmale und Kennzeichen

Vom Trommeln hält der Mittelspecht nicht allzuviel. Viel lieber lockt der Revierboss die Weibchen mit seinem typischen Quäken an: ein vier- bis achtmaliges quäk quäk quäk quäk. Ansonsten fällt der knapp buntspechtgroße Vogel durch seinen roten Scheitel auf, wobei das Rot am Kopf bei den Weibchen etwas kleiner und matter ist als bei den Männchen. Wichtig ist auch, dass der schwarze Bartstreif nicht wie beim Buntspecht bis zum Schnabel reicht.

 

Lebensraum und Verhalten

Alte, ausgedehnte Eichen-Hainbuchenwälder sind sein bevorzugter Lebensraum, aber auch in Erlen- und Auwäldern sowie in Streuobstgebieten ist er anzutreffen. Seine Bruthöhlen baut er am liebsten in alten Eichen, hier stochert er in der groben Borke nach Insekten aller Art. Was allerdings nicht heißen soll, dass er Vegetarisches völlig verschmäht: Gelegentlich erntet er etwa Kirschen und Pflaumen und im Herbst Eicheln, Nüsse und Bucheckern.

 

Vorkommen und Verbreitungmittelspecht

Deutschland beherbergt das weltweit größte Vorkommen an Mittelspechten. Dabei reicht die Spannweite der geschätzten Populationsgröße von 16000 bis 21000 Brutpaaren. Davon leben immerhin 2000 bis 2500 Paare in Baden- Württemberg. Gute Mittelspecht-Gebiete sind die beiden Verbreitungsschwerpunkte am Oberrhein und im weiteren Neckarraum. Hierzu zählen auch Schönbuch, Stromberg, sowie Glems- und Schurwald. Weniger zahlreich ist der Mittelspecht im Einzugsgebiet von Tauber, Jagst und Kocher, sowie im Kraichgau und im Odenwald zu finden.

 

Schutzmaßnahmen

Die Bestände des für Eichenwälder typischen Mittelspechts entwikkeln sich leider seit Jahrzehnten negativ. Diese traurige Entwicklung basiert fast ausschließlich auf dem Verlust an Lebensräumen: Alte Eichenwälder sind abgeholzt worden, ohne dass für ausreichenden Ersatz gesorgt worden wäre. Im Gegenteil: Eichenwälder wurden bevorzugt durch schnell wachsende Nadelhölzer oder Buchenmischwälder ersetzt. Baldige Besserung ist nicht in Sicht, da beinahe überall im Land große Eichenbestände im Alter zwischen 20 und 80 Jahren fehlen. Zudem hat kaum noch eine Eiche die Chance, so richtig alt zu werden. Somit kann man die für die derzeitigen Verhältnisse noch relativ große Mittelspecht-Population nur durch den Schutz ihrer Lebensräume erhalten. Konkret bedeutet dies, alte Stieleichen nicht umzusägen, sondern stehen zu lassen.

 

Quelle: LUBW, Im Portrait - die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie, 1. Auflage, 2006, Artkapitel - Teil 1, S. 30-31
Bildautor: H. Dannenmeyer/Archiv LUBW

 


 

Grünspecht (Picus viridis)


Nicht nur hinsichtlich ihrer Nahrungsgewohnheiten sind sich Grau- und Grünspecht sehr ähnlich, sie bevorzugen auch ähnliche Lebensräume. Der Grünspecht lebt jedoch noch mehr als der Grauspecht im Offenland und ist daher häufiger als Brutvogel in Streuobstwiesen zu finden. Beide brüten aber auch oft in lichten, alten Wäldern und nutzen die angrenzenden Wiesen zur Nahrungssuche. Der Raumbedarf des Grünspechts ist mit Reviergrößen zwischen 50 und 200 Hektar geringer.

Für den Grünspecht dürfen die Bäume in den Streuobstwiesen nicht zu dicht stehen. Nicht zuletzt deshalb, weil bei starker Beschattung die Vorkommen seiner Lieblingsnahrung Ameisen abnehmen, auf die er beinahe ausschließlich spezialisiert ist. Diese Spezialisierung führt in strengen Wintern in Kombination mit seiner Ortstreue oft zu hohen Verlusten.

Bei der Wahl seines Neststandortes ist der Vogel recht anpassungsfähig und besetzt manchmal auch bereits bestehende Höhlen. Im Allgemeinen bevorzugt er unter den Obstbaumarten Apfelbäume, ansonsten Eiche und Buche.
Die gezimmerten Höhlen finden sich in einer Höhe von circa zwei bis zehn Metern. Über die Ansprüche an den Totholzanteil gibt es keine Angaben, auch zur bevorzugten Altersstruktur der Bäume fehlen Daten.

Nach Bestandsrückgängen seit den 1950er und 1960er Jahren, hervorgerufen durch Lebensraumzerstörung und Intensivierung der Landbewirtschaftung, stabilisierten sich die Bestände wieder. Aktuell leben in Baden-Württemberg etwa 8.000 bis 10.000 Brutpaare. Möglicherweisen ist der Specht bei Nahrungs- und Habitatwahl flexibler als bisher angenommen.

 

Quelle: Leitbildbroschüre "Was brauchen Halsbandschnäpper, Wendehals, Steinkauz und Co.?", S. 22

 


 

Steinkauz (Athene noctua)


Der Steinkauz kommt in Baden-Württemberg fast ausschließlich in Streuobstwiesen vor. Entsprechend stark hatt er unter der Zerstörung dieses Lebensraums zu leiden, die Bestände nahmen seit den 1960er Jahren stetig ab. Erst in den letzten Jahren ist teilweise eine leichte Erholung zu beobachten, im Jahr 2004 gab es in Baden-Württemberg gut 400 Brutpaare. Viele Paare konnten jedoch nur aufgrund intensiver Betreuung durch ehrenamtliche Naturschützer und einem großzügigen Angebot künstlicher Nisthilfen überleben. Grundsätzlich leiden die Bestände unter starken Schwankungen, schneereiche Winter führen immer wieder zu Verlusten.

Das Höhlenangebot ist für den ortstreuen Steinkauz ein sehr wichtiger Habitatfaktor, da er nicht nur eine Höhle zum Brüten benötigt, sondern parallel dazu zwei bis drei weitere als Tageseinstände und Vorratskammern. Bevorzugte Höhlenstandorte sind Apfelbäume, außerhalb von Obstwiesen auch Kopfweiden. Alte, hochstämmige Streuobstbestände mit vielen Apfelbäumen kommen seinen Bedürfnissen entgegen, da er auf den waagerechten Ästen ausladender Obstbäume unter schütterer Belaubung auch tagsüber gedeckt in der Sonne sitzen kann.

Obwohl mindestens 25 Kleinsäuger und 60 Vogelarten, kleine Reptilien, Amphibien, Insekten und andere Wirbellose zum Beutespektrum des Steinkauzes gehören, bilden mittlerweile Feldmäuse den Hauptanteil seiner Nahrung. Er jagt bevorzugt am Boden in kurzer Vegetation. Weideflächen eignen sich besonders gut. Für eine erfolgreiche Jagd benötigt er ein ausreichendes Angebot an Sitzwarten.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ziel- und Leitarten meidet der Steinkauz die Nähe zum Wald, auch aus Furcht vor Fressfeinden wie dem Waldkauz. Darüber hinaus besiedelt er nur Bereiche, die ihm eine gute Übersicht erlauben, zu dicht gepflanzte Obstbaumbestände mag er nicht.

 

Quelle: Leitbildbroschüre "Was brauchen Halsbandschnäpper, Wendehals, Steinkauz und Co.?", S. 24

 


 

Gartenrotschwanz ((Phoenicurus phoenicurus)


Der Gartenrotschwanz ist ein anpassungsfähiger Höhlen- und Nischenbrüter. Er bevorzugt Höhlen in geschützter Position, beispielsweise Spechthöhlen, kann aber auch auf Nischen in Mauern und Gebäuden ausweichen und nimmt gerne künstliche Höhlen an. Eine Präferenz für bestimmte Baumarten scheint nicht zu existieren. Auch über notwendige Stammhöhen oder Totholzanteile ist nichts bekannt. Er besiedelt vorwiegend sehr lichte, parkartige Bestände bis hin zu Hausgärten.

Bei der Nahrungssuche zeigt sich der Gartenrotschwanz weniger flexibel. Obwohl er geschickt darin ist, Beutetiere im Flug durch die Baumkronen zu fangen, lauert er am liebsten von Ansitzwarten aus auf Insekten, die sich am Boden bewegen und fliegt diese dann gezielt an. Bei hohem und dichtem Aufwuchs ist diese Jagdmethode aber praktisch nicht ausführbar, so dass für diesen Vogel Reviere mit lückiger oder sehr niedriger Vegetation eine unbedingte Voraussetzung sind. Studien haben gezeigt, dass er lieber ein Revier mit schlechterem Nahrungsangebot besetzt, wenn er die Beute dafür gut erreichen kann. Er frisst am liebsten Insekten, Spinnen, Tausendfüßler, Asseln, Ringelwürmer und Schnecken, teilweise auch Früchte.

Kleinparzellierte Streuobstwiesen mit überwiegend extensiver Nutzung boten mit ihrer Kombination aus Nistmöglichkeiten und Nahrungsangebot lange Zeit geeignete Habitate für den ursprünglichen Bewohner lichter Laubwälder. Durch Intensivierung einerseits oder aber Nutzungsaufgabe andererseits nimmt die Lebensraumqualität für den Gartenrotschwanz ab. Die Bestände sind daher lange Zeit stark zurückgegangen. Erst in den letzten Jahren ist in Südwestdeutschland eine leichte Erholung erkennbar, die Art gilt derzeit nicht mehr als gefährdet. In Baden-Württemberg lebten im Jahr 2004 zwischen 20.000 und 25.000 Brutpaare.

 

Quelle: Leitbildbroschüre "Was brauchen Halsbandschnäpper, Wendehals, Steinkauz und Co.?", S. 25

 


 

Baumpieper (Anthus trivialis)


Der Baumpieper ist in der Wahl seines Lebensraumes flexibel: Streuobstwiesen, lichte Wälder, Waldränder an Kahlschlägen und Lichtungen, Heiden, Moore, Weinberge und Feldgehölze können von ihm besiedelt werden, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Lebensräume mit einer zu dichten Baum- und Krautschicht werden jedoch gemieden.

Als einzige der Ziel- und Leitarten brütet der Baumpieper am Boden, soweit möglich geschützt durch Grasbulten, Altgras oder niedrige Sträucher. Zu häufige Mahd oder eine intensive Beweidung stellen daher Gefahren für das Nest dar. Für die Nahrungssuche wiederum darf die Vegetation aber nicht zu dicht und hoch sein. Die von ihm bevorzugten kleinen, weichhäutigen Insekten wie Schmetterlinge und deren Larven, Zweiflügler und Heuschrecken, aber auch Käfer, Wanzen, Blattläuse, Zikaden, Schlupfwespen, Ameisen, Köcherfliegen und Spinnen findet er leichter in magerem Aufwuchs.

Für den Bestandsrückgang des Baumpiepers werden immer dichter wachsende Wiesen mit verantwortlich gemacht. Die Ursachen dafür sind Nährstoffeinträge aus der Luft und der Landwirtschaft. Gebietsweise kommt er in Baden-Württemberg zwar noch zahlreich vor, die Bestandszahlen von 30.000 bis 60.000 Brutpaaren im Jahr 2004 weisen aber eine vorhergehende starke Abnahme um bis zu 50 Prozent auf.

Unabdingbar für die Gründung der bis zu drei Hektar großen Reviere sind Ansitz- und Singwarten, von denen aus der Vogel das Gelände gut überblicken kann. In schütter bewachsenen Hanglagen können daher auch niedrige Gebüsche oder Pfosten ausreichen. Ansonsten kommen tote Äste von Bäumen, Leitungsdrähte und Masten in Frage.

 

Quelle: Leitbildbroschüre "Was brauchen Halsbandschnäpper, Wendehals, Steinkauz und Co.?", S. 26

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 06. Juni 2013 um 15:22 Uhr