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"Baumschnittgut - WERTstoff statt RESTstoff?"

 

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Die Herausforderung: Wohin mit dem Obstbaumschnittgut?
Der Schnitt der Bäume löst das Pflegeproblem, schafft aber unter Umständen ein neues: Wohin mit dem Schnittgut, das bei lange nicht gepflegten Bäumen in großen Mengen anfällt? Verbleibt es in der Fläche, stellt es eine Behinderung bei der Grünlandbewirtschaftung dar und ist Ausgangspunkt für Verbuschungen. Wenn aufgrund des Problems die Bäume nicht geschnitten werden, ist dies aber aus ökologischen Gründen sehr nachteilig, da ungepflegte Bäume eine kürzere Lebensdauer haben. Insbesondere große und alte Bäume sind aber aus naturschutzfachlicher Sicht wichtige Bestandteile des Lebensraumes Streuobstwiese. Eine nachhaltige Nutzung kann also nur entstehen, wenn beide Probleme gelöst werden, besser noch: wenn sie vom Problem zur Chance werden.

Fazit
Die Erfolge: Was konnte schon erreicht werden?
Neben den vier Modellkommunen wurden im LIFE+-Projektgebiet zusätzlich in weiteren sechs Kommunen das Einrichten von Sammelplätzen und das Häckseln initiiert bzw. deren Erfahrungen abgefragt. Das Ergebnis spricht für sich: In der Schnittsaison 2012/13 wurden ca. 1.600 Srm Hackschnitzel – rund 40 Container-Lastwagen – aus Streuobstschnittgut produziert. Hiermit kann knapp 100.000 l Heizöl eingespart werden, dies entspricht dem Jahresölbedarf von gut 40 Einfamilienhäusern(KOPP 2011, KLEIN 2013, BÖHRNSEN 2010).

Den Bewirtschaftern der Obstwiesen war das Angebot eine große Erleichterung. Durch die Sammelplätze nahe der Obstwiesen wird der Transport vereinfacht. Vor allem auch die Möglichkeit, das Schnittgut nahezu rund um die Uhr abgeben zu können, bringt eine weitere Hilfestellung. Die bisherigen Erfahrungen im Modellprojekt zeigen darüber hinaus: weiß der Baumbesitzer um eine sinnvolle Nutzung seines Schnittmaterials, steigt die Bereitschaft zum Baumschnitt erheblich. Hinzu kommt die ethische Dimension: die energetische Nutzung von ohnehin anfallendem Pflegematerial erhöht den Anteil an regenerativer Energie, ohne in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln zu stehen.

Nicht zuletzt existiert auch eine soziokulturelle Dimension: wenn es gelingt, durch die Nutzung des Baumschnittmaterials wieder eine zusätzliche Wertschöpfungsmöglichkeit zu generieren, würde die historische Bedeutung des Systems unter den heute geltenden Rahmenbedingungen wieder eher in die Zukunft transferiert. Die (Wieder-)Aufnahme der energetischen Nutzung würde somit auch der allgemeinen Anerkennung des „Systems Streuobstwiese“ einen deutlichen Schub verleihen. 
Eine sinnvolle Verwertung des Schnittmaterials löst somit mehrere Probleme gleichzeitig und stellt einen wichtigen Baustein für die Zukunft der Streuobstwiesen dar.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 21. April 2015 um 10:10 Uhr